Die Aktienmärkte haben ihren Anfang des Jahres begonnenen Abwärtstrend fortgesetzt. Die infolge der Eskalation des Ukraine-Russland Konflikts zunehmenden Inflationsrisiken setzen die Aktienkurse unter Druck, schreiben Guy Wagner und sein Team in ihrem jüngsten monatlichen Marktbericht „Highlights“.

Das Wachstum der Weltwirtschaft ist nach wie vor robust. Nach der leichten Abschwächung des Dienstleistungssektors zum Jahresbeginn infolge der starken Zunahme der Corona-Infektionen drehten die meisten Konjunkturindikatoren wieder nach oben. „In den USA zeigt sich das Wirtschaftswachstum besonders robust, da die privaten Haushalte von den stark gestiegenen Gehältern und die Unternehmensinvestitionen vom deutlichen Anstieg der Gewinne profitieren“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. In Deutschland hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar erholt und deutet darauf hin, dass sich die Lage entlang der Lieferkette im verarbeitenden Gewerbe allmählich entspannt. In China betätigt die öffentliche Hand verstärkt fiskal- und geldpolitische Hebel, um einer zu starken Verlangsamung der Konjunktur wegen der Schwäche des Immobiliensektors zuvorzukommen. In Japan könnten die hohen Rohstoffpreise die Leistungsbilanz und das BIP-Wachstum aufgrund der hochgradigen Abhängigkeit des Landes von Energieimporten belasten. „In den kommenden Monaten stellt die hohe Inflation ein gewaltiges Risiko für das internationale Wirtschaftswachstum dar“, meint der luxemburgische Ökonom, „zumal die Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine die Energiepreise weiter nach oben treiben dürfte.“

Inflationszahlen verschlechtern sich weiter
Die Inflationszahlen verschlechtern sich weiter. So stieg die Gesamtinflation in den USA auf 7,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 40 Jahren. In der Eurozone zog die Inflation ebenfalls an und überstieg den im Vormonat verzeichneten Rekordwert seit der Einführung des Euro. So erhöhte sich die Gesamtinflation von Januar auf Februar von 5,1 Prozent auf 5,8 Prozent.

EZB schließt Zinsanhebung im weiteren Jahresverlauf nicht mehr aus
Das veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank bestätigte die Entschlossenheit von Jerome Powell und seinem Team zur Straffung der geldpolitischen Zügel, um eine hohe Inflation als Dauerzustand zu verhindern. In Europa schlug die Präsidentin der Europäischen Zentralbank bei der ersten Ratssitzung der Zentralbankgouverneure in diesem Jahr einen restriktiveren Ton an als erwartet. Obwohl der geldpolitische Status quo unverändert blieb, schloss Christine Lagarde eine erste Zinsanhebung im weiteren Jahresverlauf nicht mehr aus. Sie erwog eine mögliche Zinserhöhung als „Option“ im Hinblick auf die Entwicklung der Preisindikatoren in den kommenden Monaten.

Staatsanleihen als Fluchtwerte gefragt
In der ersten Februarhälfte schoben sich die Endfälligkeitsrenditen von Staatsanleihen gegenüber dem Vormonat aufgrund der sich verschlechternden Inflationsdaten weiter nach oben. „In der zweiten Monatshälfte waren Staatsanleihen infolge des eskalierenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine als Fluchtwerte gefragt; die langfristigen Renditen gaben dementsprechend nach.“ Letztendlich erhöhte sich die Endfälligkeitsrendite zehnjähriger US Treasury Bonds leicht. In der Eurozone stieg der zehnjährige Referenzzins in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Wachstumswerte besonders hart getroffen
Im Februar setzen die Aktienmärkte ihren Anfang des Jahres begonnenen Abwärtstrend fort. Die infolge der Eskalation des Ukraine-Russland Konflikts zunehmenden Inflationsrisiken setzen die Aktienkurse unter Druck. Infolgedessen gab der weltweite Aktienindex MSCI All Country World Index Net Total Return nach. In Bezug auf die Anlagezonen schlossen der S&P 500 in den USA, der Stoxx Europe 600 in Europa, der Topix in Japan und der MSCI Emerging Markets jeweils mit einem Minus. „Mit Blick auf die einzelnen Branchen konnte sich nur der Energiesektor gegen die generelle Abwärtsdynamik seit Jahresbeginn stemmen, während die sogenannten Wachstumswerte aus den Sektoren Technologie, zyklischer Konsum und Kommunikationsdienstleistungen besonders hart getroffen wurden“, sagt Guy Wagner abschließend.