Trotz weiterhin solider Wirtschaftsstatistiken trüben sich die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft ein. Die Kürzung der Staatsausgaben im Vergleich zu den hohen Niveaus vor einem Jahr und der allgemeine Preisanstieg, der durch die russische Invasion in der Ukraine verschärft wurde, verringern das Wachstumspotenzial für den Rest des Jahres, schreiben Guy Wagner und sein Team in ihrem jüngsten monatlichen Marktbericht „Highlights“.

„Die dynamischste Region sind nach wie vor die USA, wo der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen Wachstumsraten nominal im zweistelligen Bereich aufweisen“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. „In der Eurozone drücken die rasant steigenden Energiepreise auf die Kaufkraft privater Haushalte und verringern die Gewinnmargen von Unternehmen, sodass die Schätzungen für das BIP-Wachstum deutlich nach unten korrigiert werden müssen.“ China muss wegen seiner Nulltoleranzpolitik gegenüber Coronainfektionen dauerhafte Lockdown-Maßnahmen durchsetzen und gefährdet damit das offizielle BIP-Wachstumsziel von 5,5 % für dieses Jahr. In Japan könnte die Leistungsbilanz wegen der deutlich teureren Energieimporte, die durch die jüngste Schwäche des Yen noch verstärkt werden, wesentlich schlechter ausfallen.

Inflationsraten mit Rekordwerten
Die Inflationsraten verschlechtern sich weiter. In den USA stieg die Gesamtinflation auf 7,9 % im Februar und ist damit so hoch wie zuletzt im Januar 1982. Die Preissteigerungen nehmen auch in der Eurozone weiter zu und erreichten im vergangenen Monat den höchsten Stand seit Einführung der Einheitswährung: im März kletterte die Gesamtinflation auf 7,5 %.

US-Notenbank hebt Fed Funds Rate um 25 Basispunkte an
Erwartungsgemäß gab die US-Notenbank im März den Startschuss für ihren geldpolitischen Straffungszyklus. Mit einem ersten Zinsschritt um 25 Basispunkte hob sie den Zielkorridor für die Fed Funds Rate an. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses signalisierten zudem, dass man bald – eventuell schon ab der nächsten Sitzung im Mai – mit der Kürzung der Bilanz beginnen wolle. „Bei einer Rede vor der National Association for Business Economics in der zweiten Märzhälfte wiederholte der Fed-Präsident Jerome Powell den festen Willen der Zentralbank, den derzeit zu hohen Inflationsdruck eventuell auch mit Zinssteigerungen um jeweils 50 Basispunkte zu verringern“, unterstreicht der luxemburgische Ökonom. In der Eurozone wird die EZB ihre Wertpapierankäufe schneller zurückfahren und plant, das Ankaufprogramm im Verlauf des dritten Quartals zu beenden. Zentralbankpräsidentin Christine Lagarde ließ die Frage nach einer eventuellen ersten Anhebung der Leitzinsen zum Jahresende offen.

Endfälligkeitsrenditen auf Staatsanleihen steigen
Durch den deutlich gestiegenen Inflationsdruck stiegen auch die Endfälligkeitsrenditen auf Staatsanleihen beiderseits des Atlantiks, obwohl Staatsanleihen generell als Zufluchtswerte in Krisenzeiten gelten. So stiegen die Renditen der zehnjährigen Anleihen in den USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Erholung der Aktienmärkte in der zweiten Märzhälfte
Nach den sinkenden Kursen in den ersten beiden Monaten 2022 brachte die zweite Märzhälfte eine Erholung der Aktienmärkte. Guy Wagner: „Die Hoffnung auf eine diplomatische Annährung zwischen der Ukraine und Russland nach dem unerwartet langsamen Vorrücken der russischen Truppen auf ukrainischem Hoheitsgebiet ließ die Börsenkurse insgesamt wieder ansteigen.“ Für Panik bei chinesischen Aktien sorgte in der ersten Märzhälfte die Tatsache, dass deren Notierungen an US-Börsen gefährdet sind, wenn Peking den amerikanischen Behörden weiterhin den vollständigen Zugang zu Prüfungsberichten verweigert. Diese Entwicklung belastete den MSCI Emerging Markets. „Auf Sektorenebene verzeichneten Energiewerte und Titel aus dem Gesundheitswesen die beste Performance, während defensive Werte im Bereich Basiskonsumgüter an der Erholung der Märkte fast überhaupt nicht beteiligt waren.“