Herausforderungen der nichtfinanziellen Berichterstattung

Die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (SFDR) wurde als eine von mehreren regulatorischen Maßnahmen verabschiedet, um einen harmonisierten ESG-Rahmen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) für den europäischen Finanzdienstleistungssektor zu schaffen. Sie ist Bestandteil der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Europäischen Union und beruht auf dem Konzept der doppelten Wesentlichkeit, wonach Finanzdienstleister Informationen zur Berücksichtigung von ESG-Risiken und zu den wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf ESG-Faktoren offenlegen müssen.

Die Verordnung sieht regelmäßige Berichte (Reporting) vor, in denen Anleger transparent informiert werden. Die Dienstleister müssen daher auf nichtfinanzielle Informationen der Unternehmen, in die investiert wird, zugreifen können, deren Qualität in etwa der der grundlegenden Finanzinformationen entspricht. Bei den Instrumenten, die den Anlegern vor allem von spezialisierten Ratingagenturen zur Verfügung gestellt werden, gibt es jedoch noch operative Herausforderungen mit Blick auf die Verständlichkeit der bereitgestellten nichtfinanziellen Daten und die Stabilität von Standards.

Laut Schätzungen des Beratungsunternehmens Opimas hatte der Markt für ESG-Daten 2019 ein Volumen von 617 Mio. US-Dollar. Bei einem erwarteten jährlichen Wachstum von 20 % bei ESG-Daten und 35 % bei ESG-Indizes könnte sich der Markt bis 2021 der Milliarden-Dollar-Marke nähern. Ungefähr 60 % der Ausgaben für ESG-Daten entfallen auf Europa. Grund hierfür sind die regulatorischen Anforderungen.

Es werden sowohl unveränderte oder leicht bearbeitete quantitative oder qualitative Rohdaten als auch nichtfinanzielle Ratings oder Scores auf Basis von Key Performance Indicators (KPI) oder vordefinierten Indikatoren angeboten.
Auch wenn die Korrelation zwischen den Bewertungen der fünf wichtigsten globalen ESG-Ratingagenturen laut einer Studie des Massachusetts Institute of Technology nur auf durchschnittlich 0,61 geschätzt wird, spielen die Datenanbieter in diesem Stadium eine entscheidende Rolle.
Nachhaltigkeitsinformationen in Ergänzung zu den Finanzkennzahlen der analysierten Unternehmen heranzuziehen, um wesentliche Risiko- und Chancenfaktoren zur Beurteilung des inneren Wertes der Unternehmen zu identifizieren und zu analysieren, ist noch mit Unsicherheiten behaftet. Qualitativen und subjektiven Einschätzungen, die sich nicht auf messbare, finanzielle Größen stützen (Wert des Humankapitals, Fragen der Biodiversität), kommt bei diesem Ansatz, der keine Antwort auf die Frage nach dem Wert der Unternehmen liefert, eine große Bedeutung zu. So muss auch entschieden werden, wie bei der Analyse retrospektiver und prospektiver Informationen im Zusammenhang mit den von den Unternehmen kommunizierten Engagements und Zielen vorgegangen wird. Die Analysten übernehmen somit eine wichtige Aufgabe, wenn es darum geht, die Daten zu kontrollieren und deren Relevanz sicherzustellen.
Hierzu werden die Vorgaben der europäischen Verordnung maßgeblich beitragen, wobei neue alternative Datenquellen unter Nutzung von künstlicher Intelligenz zu einer Zunahme der veröffentlichten Informationen von Unternehmen führen werden.

Letzte Überarbeitung am 19.05.2021