Weltwirtschaft vor deutlicher Beschleunigung - Guy Wagner - 7 April 2021

Angeführt von den Vereinigten Staaten und China scheint die Weltwirtschaft vor einer deutlichen Beschleunigung zu stehen. Dies schreiben Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI - Banque de Luxembourg Investments, und sein Team in der jüngsten Ausgabe ihrer monatlichen ,Investment-Highlights'.

Hohe öffentliche Konjunkturstützungsmaßnahmen in den USA

In den USA belasteten im Februar besonders strenges Winterwetter in mehreren Bundesstaaten und das Auslaufen der zweiten Welle der staatlichen Unterstützungsschecks den inländischen Konsum und die Unternehmensinvestitionen. Dies sollte sich im März nach dem Start der dritten Welle der Haushaltsunterstützung ändern, die wahrscheinlich zu einer starken Beschleunigung der Konsumausgaben führen wird.

Wirtschaftsindikatoren in Europa überraschend robust

"In Europa erweisen sich die meisten Wirtschaftsindikatoren überraschend robust, obwohl die Impfkampagne gegen das Coronavirus nur langsam vorankommt", sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. "Allerdings bleibt die erhebliche Divergenz zwischen dem florierenden Industriesektor und dem von den Abstandsmaßnahmen betroffenen Dienstleistungssektor bestehen." In China erklären günstige Basiseffekte die sehr hohen Wachstumszahlen für das erste Quartal und verdecken ein wenig die jüngste Abschwächung der Aktivität aufgrund eines Rückgangs der Reisetätigkeit während der traditionell regen Zeit des chinesischen Neujahrsfestes. "Dennoch erscheint das offizielle Ziel eines BIP-Wachstums von über sechs Prozent für das Gesamtjahr 2021 eher konservativ, insofern kein größeres Schockereignis eintritt", so die Meinung des luxemburgischen Ökonomen. In Japan dürfte die Erholung des Welthandels sich günstig auf das Konjunkturwachstum auswirken, das weiterhin stark von der Entwicklung der Exporte abhängt.

Zentralbanken halten an ihrer sehr expansiven Geldpolitik fest

Im März bestätigten die Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks, dass sie trotz der Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung die Strategie der sehr expansiven Geldpolitik fortführen werden. In den USA betonte der Präsident der Federal Reserve, Jerome Powell, erneut, dass er nicht auf ein vorübergehendes Anziehen der Inflation reagieren würde, um die mittelfristigen Beschäftigungs- und Inflationsziele nicht zu gefährden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es verfrüht, über eine eventuelle Verringerung der Wertpapierkäufe nachzudenken, und eine solche Maßnahme müsse den Märkten auch vorab mitgeteilt werden. Allerdings verzichtete der Präsident darauf, Maßnahmen zur Eindämmung des jüngsten Anstiegs der langfristigen Zinsen zu erwähnen. In Europa kündigte die Präsidentin der Zentralbank, Christine Lagarde, eine Beschleunigung der Ankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des Pandemie-Notprogramms an, beließ den Gesamtbetrag jedoch unverändert bei 1.850 Milliarden Euro.

Beachtliche Gewinne an den Aktienmärkten

Die Aktienmärkte stiegen im März stark an und schlossen das erste Quartal mit beachtlichen Gewinnen ab. "Die Hoffnung auf eine allmähliche Wiedereröffnung der Volkswirtschaften, die staatlichen Hilfsprogramme und die Zusage der Zentralbanken, jede vorzeitige Straffung der Geldpolitik zu vermeiden, treiben die Börsen zu neuen Rekordwerten." So stieg der MSCI All Country World Index Net Total Return in Euro im vergangenen Monat um 6,0 Prozent und seit Jahresbeginn um 8,9 Prozent. Guy Wagner: "Die defensiven Sektoren konnten sich nach ihrer deutlichen Schwäche im Vormonat wieder erholen, Versorgungsunternehmen und Basiskonsumgüter entwickelten sich im Berichtsmonat am besten. Im bisherigen Jahresverlauf werden die Top-Gewinner jedoch von Energie-, Finanz- und Industriewerten dominiert, während das Gesundheitswesen, Versorger und Basiskonsumgüter weiterhin zurückbleiben."