Die meisten Volkswirtschaften funktionieren weiterhin im Notbetrieb und bleiben abhängig von staatlichen Hilfen - Guy Wagner - 6 Januar 2021

Die weltweite Corona-Pandemielage verschärft sich immer mehr; allerdings konnte Mitte Dezember in den Industrieländern mit den ersten Impfungen begonnen werden. Bis die Impfungen in großem Maßstab verabreicht werden können und sich dadurch die Pandemielage entspannt, funktionieren die meisten Volkswirtschaften weiterhin im Notbetrieb und bleiben abhängig von den staatlichen Hilfen, schreiben Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI - Banque de Luxembourg Investments, und sein Team in der jüngsten Ausgabe ihrer monatlichen ,Investment-Highlights'.

Die US-Wirtschaft blieb zum Jahresende robust. "Die Einkaufsmanagerindizes halten sich auf hohem Niveau und sprechen für eine weiterhin gute Dynamik des Aufschwungs - sowohl in der Fertigungsindustrie als auch im Dienstleistungssektor", sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. "Auch die Konsumausgaben über Thanksgiving waren ein Beleg für die Belastbarkeit des US-amerikanischen Konsums."

Chinas Konjunktur erholt sich weiterhin kräftig, weil zweite Infektionswelle ausgeblieben ist

Da in der Eurozone die coronabedingten Restriktionen den ganzen Dezember über noch verschärft wurden, konnten die genannten Indikatoren - insbesondere in der Dienstleistungsbranche - kaum steigen. "In China erholt sich die Konjunktur weiterhin kräftig, weil eine zweite Infektionswelle ausgeblieben ist; außerdem erreichen zahlreiche Indikatoren nun Rekordwerte über die vergangenen Jahre", so der luxemburgische Ökonom. "Dass der Kauf von Dienstleistungen zum Teil sinkt und dafür der Konsum von Industrieerzeugnissen steigt, kommt im Augenblick China zugute." Japan blieb zwar vergleichsweise verschont von der Corona-Pandemie, litt jedoch unter der globalen konjunkturellen Eintrübung. Das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Jahresviertel wurde auf plus 5,3 Prozent nach oben korrigiert.

Europäische Zentralbank kündigt weitere Maßnahmen an

Die US-amerikanische Federal Reserve gab bei ihrer Dezember-Sitzung bekannt, keine Änderungen seiner Geldpolitik vornehmen zu wollen. Aktuell bleibt es bei der geldpolitischen Unterstützung durch Nullzinsen und Anleihekäufe; allerdings bekunden die Währungshüter stets ihre Absicht, sie durch Konjunkturpakete zu ersetzen. Auf europäischer Seite nutzte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Ratssitzung im Dezember und kündigte einige weitere Maßnahmen an, mit denen die Liquidität des Bankensystems und seine Kapazität zur Finanzierung der Wirtschaft gewährleistet werden sollen.

Zuwächse an den Aktienmärkten

In den USA zogen die Staatsanleiherenditen im Dezember leicht an; Grund war die Hoffnung auf einen vagen Wirtschaftsaufschwung in den kommenden Quartalen. Die Aktienmärkte behielten ihren Enthusiasmus vom November bei und erzielten im ganzen Dezember gleichmäßige Zuwächse. Die heftige Branchenrotation vom November wurde gemäßigter, löste sich aber nicht vollständig auf. "Bestimmte zyklische Branchen sind bei den Anlegern - die sich bereits für die Konjunkturbelebung 2021 positionieren - weiterhin gefragt", sagt Guy Wagner abschließend.